Neulewin
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Zur Geschichte:



Gemeinde Neulewin

"Die Gemeinde Neulewin besteht aus folgenden Ortsteilen, Gemeindeteilen und Wohnplätzen:
Güstebieser Loose Neulewin mit den Gemeindeteilen Karlsbiese, Kerstenbruch, Heinrichsdorf, Karlshof und Neulewin sowie dem Wohnplatz Neukarlshof
Neulietzegöricke mit den Gemeindeteilen Ferdinandshof und Neulietzegöricke, und dem Wohnplatz Altlietzegöricker Loose.

Neulewin war 1818 bis 1952 Teil des Landkreises Oberbarnim. Abweichend davon gehörten die heutigen Ortsteile Neulietzegöricke und Güstebieser Loose sowie die Gemeindeteile Karlshof und Karlsbiese bis 1945 zu der hauptsächlich rechts der Oder gelegenen, heute polnischen Neumark, zum Landkreis Königsberg Nm.
Im Zuge der Kreisreform 1952 in der DDR kam Neulewin zum Kreis Bad Freienwalde. Nach der Wende wurden 1992 im Brandenburg Ämter gebildet, die die Verwaltungsaufgaben der amtsangehörigen Gemeinden wahrnahmen; Neulewin kam unter die Verwaltung des Amtes Wriezen-Land, das bereits 1994 in Amt Barnim-Oderbruch umbenannt wurde. Mit der Kreisreform 1993 kamen das Amt Barnim-Oderbruch und damit die Gemeinde Neulewin zum Landkreis Märkisch-Oderland.

Die Gemeinde Heinrichsdorf wurde am 1. Januar 1957 nach Kerstenbruch eingemeindet, das am 1. März 1974 nach Neulewin eingemeindet wurde.
Die Gemeinde Karlshof wurde am 1. Januar 1974 nach Neulietzegöricke ein- und am 1. April 1991 nach Neulewin umgemeindet.
Am 26. Oktober 2003 schlossen sich Neulewin und Neulietzegöricke zur neuen Gemeinde Neulewin zusammen. Gleichzeitig wurde die Gemeinde Güstebieser Loose durch Gesetzesbeschluss eingegliedert."
(C)Wikipedia

Seine erste Erwähnung findet Neulewin im Jahr 1755, als auf Geheiß des Königs, Friedrich des Großen, die Besiedelung des Bruches mit Kolonistenfamilien im Gange war. Ein Großteil der 80 Kolonistenfamilien Neu Lewins stammt aus Polen. Auch Theodor Fontane schrieb auf seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" die ureigene Mentalität der Neulewiner und äußerte sich in lobenden Worten über den Ort.
Die ersten Jahre Neulewins waren Jahre der Entbehrungen. Der fruchtbare Boden musste urbar gemacht werden. Nicht wenige gaben auf und kehrten Neulewin den Rücken. Das Leben in einem durch die Bewallung der Neuen und der Alten Oder trockengelegten Ort barg noch viele Gefahren in sich. Die Wälle stellten noch keinen sicheren Schutz vor drohenden Hochwassern dar. Immer wieder rissen Teile der Dämme und Wassermassen ergossen sich ins Bruch. Die Ernte wurde zu nichte gemacht, Vieh kam ums Leben und Gehöfte standen unter Wasser. Die letzte Hochwasserbedrohung im Jahr 1997 ist allen Bürgern der Gemeinde noch in Erinnerung.
Heute gehört Neulewin zu den attraktivsten Gemeinden des Oderbruches. Man ist ständig bemüht Altes zu erhalten, Traditionen zu bewahren und Einstiges wieder aufleben zu lassen. Unabhängig von der Jahreszeit bietet Neulewin seinem Besucher eine Vielzahl von Eindrücken über das dörfliche Leben. Die Nähe zur Alten und zur Neuen Oder und die entstandenen Wanderwege entlang der Flussläufe und durchs Oderbruch bieten Urlaubern viele Möglichkeiten zur aktiven Freizeitgestaltung in der Natur. In der Heimatstube erhält der Besucher zahlreiche Informationen über die Geschichte des Ortes und hat die Möglichkeit, historische Exponate zu besichtigen.


 

 

 

Das Oderbruch

"(1)Im heutigen Landkreis Märkisch-Oderland zwischen Frankfurt an der Oder und Bad Freienwalde befindet sich ein 60 Kilometer langes und 20 Kilometer breites Binnendelta – das Oderbruch. Vor dem 18. Jahrhundert galt das Oderbruch als eine öde, sumpfig-sandige Wildnis, die höchstens Banditen und der Fischerei zuträglich war. Heute ist das Oderbruch vor allem wegen seiner üppigen Böden bekannt, die nach der Trockenlegung, Eindeichung und Kolonialisierung des Gebiets durch Friedrich II. (den Großen) (1712-1786) für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wurden. Die eingedeichte Oder brach und bricht jedoch immer wieder aus ihrem Bett aus und drohte, das Oderbruch erneut unter Wasser zu setzen. Im 20. Jahrhundert durchbrach die Oder im Bereich des Bruchs dreimal ihre Deiche: 1947, 1981/82 und 1997. Das Versagen technischer Lösungen zur Flutbekämpfung und der Verlust von ökologisch wertvollen Feuchtgebieten führten in den 1990ern zu einem Umdenken und dem Beginn von Renaturierungsmaßnahmen im Bruch.

1. Vorgeschichte

Die Bildung des Oderbruchs geht auf die letzte Eiszeit (Weichsel-Glazial) zurück, als eine Eisdecke Europa von Skandinavien bis zum mitteldeutschen und polnischen Hochland bedeckte. Als sich diese Eisdecke im Zuge der Warmzeit des Holozän auflöste, entstanden große Mengen an Schmelzwasser, die sich am Eisrand hielten und zu Landsenkungen führten. Diese Senkungen – auch Urstromtäler genannt – bewirkten mit zunehmendem Rückzug des Eises ein Abfließen der Wassermassen in die Nord- und Ostsee und bilden die Grundlage des europäischen Entwässerungssystems. Der Rückzug der Eisdecke hinterließ ebenfalls Massen an Sand und Geröll, die von den langsamen Flüssen Nordeuropas umflossen wurden und zu einer Ausbildung zahlreicher Flussnebenarme und mit Schlamm gefüllten Aushöhlungen (Zungenbecken) führten. Diese Prozesse bewirkten im Falle des Eberswalder Urstromtales, dass sich eine karge, sandig-sumpfige Moorlandschaft ausbildete, die regelmäßig durch Schmelzwasser und andere Unwetter unter Wasser gesetzt wurde: das Oderbruch.

2. Mittelalterliche und neuzeitliche Kolonisationsversuche

Bereits im Mittelalter hatten Zisterziensermönche und der Deutsche Orden im Zuge des Vordringens deutschsprachiger Siedler nach Osten versucht, Landwirtschaft im Oderbruch zu betreiben. Nach ihrer Machtübernahme im späten 15. Jh. versuchten auch die Hohenzollern mithilfe von Sommerdeichen und der Absperrung von Nebenarmen der ausufernden Oder Land abzugewinnen. Dabei konzentrierten sie ihre Bemühungen im 16. und 17. Jh. zunächst auf den höher gelegenen Oderbruch bei Küstrin und Lebus, weil der Fluss dort einfacher zu kontrollieren war und es die strategisch wichtige Festung Küstrin sowie die Weststraße nach Berlin zu schützen galt. Dabei setzten die Kurfürsten der Hohenzollerndynastie zunehmend auf die Expertise holländischer Siedler, die man mit Versprechen von Neuland lockte. Die Verwüstungen des dreißigjährigen Krieges sowie die sporadische und unsystematische Natur des frühen Deichbaus führten jedoch zu einem Verlust vieler neugewonnener Flächen durch Hochwasser.

3. Die Systematisierung des Deichbaus unter Friedrich Wilhelm I.

Eine Systematisierung der Deichbaubemühungen im Oderbruch erfolgte unter dem als Soldatenkönig bekannt gewordenen Friedrich Wilhelm I. Nachdem er das preußische Heer erheblich vergrößert hatte, wollte er neugewonnene Wiesen im Oderbruch zur Verpflegung seiner Kavallerie nutzen. Deswegen ernannte er den Offizier Friedrich von Derfflingen zum Leiter einer neuen Deichbaukommission und beauftragte ihn mit der Errichtung massiver und hoher Deiche, die – anders als Sommerdeiche – nicht im Winter überspült wurden. Unter Derfflingen und seinen Nachfolgern in der Deichbaukommission wurden bis 1730 tatsächlich ca. 30.000 Hektar Sumpfland mithilfe von Deichen und Drainagegräben trockengelegt. Allerdings führten die Eindeichungen und Drainagearbeiten zu heftigeren Überflutungen stromabwärts im Norden des Oderbruchs, die durch Rückstauung auch im Süden zu Überschwemmungen führen konnten. Mit den zunehmenden Hochwassern konfrontiert, warb Friedrich Wilhelm I. 1736 den hannoverschen Wasserbauingenieur Simon Leonhard von Haerlem an und beauftragte ihn neben der Reparatur von Deichen auch mit der Erstellung eines Gutachtens für die komplette Eindämmung der Oder im Bereich des Bruchs. Zur Umsetzung dieses Gutachtens kam der Soldatenkönig bis zu seinem Tod im Jahre 1740 allerdings nicht mehr.

4. Die Trockenlegung des Oderbruchs unter Friedrich II.

Nach einem gescheiterten Fluchtversuch und Festungshaft war Friedrich II. (der Große) von seinem Vater zum Erlernen der Ökonomie an die Küstriner Verwaltung im Bereich des Oderbruchs geschickt worden. Während dieser Zeit wurde Friedrich neben seinen Verwaltungsaufgaben auch mit der regionalen Landwirtschaft und den Gegebenheiten des Oderbruchs vertraut. Diese Vertrautheit mit dem Terrain und Friedrichs Begeisterung für aufklärerische Prinzipien führten dazu, dass er nach seiner Machtübernahme im Jahre 1740 Preußens Landwirtschaft verbessern und vergrößern wollte. Und so beauftragte der aufgeklärte Absolutist 1746 Simon Leonhard von Haerlem mit einer Neufassung seines Gutachtens zur Trockenlegung der Oder. Kaum hatte Haerlem sein Gutachten im Januar 1747 vorgelegt, wurde eine neue Oderbruchkommission ins Leben gerufen, der neben hohen Beamten wie Heinrich Wilhelm von Schmettau (zweiter Direktor der Kriegs- und Domänenkammer Brandenburg) und Staatsminister Samuel von Marschall auch Haerlem selbst angehörte. Haerlems abgewandelter Plan vom Frühjahr 1747 sah neben der Absperrung von Odernebenarmen vor, einen Kanal von Güstebiesen bis Hohen-Saaten zu bauen. Dieser Kanal sollte den Flusslauf der Oder um 24 Kilometer kürzen und die Fließgeschwindigkeit zur Begünstigung der Trockenlegung erhöhen. Um die Realisierbarkeit von Haerlems Plänen zu prüfen, starteten Staatsminister von Schmettau und Haerlem im Jahr 1747 in Begleitung des berühmten Schweizer Mathematikers Leonhard Euler auf eine Besichtigungsreise des Oderbruchs. Nach Abgabe ihrer endgültigen Empfehlung zum Bau des Kanals am 17. Juli 1747 begannen die Bauarbeiten am Bruch eine Woche später. Kurz nach Beginn der Arbeit starb jedoch der leitende Bauingenieur Mahistre und auch der zuständige Staatsminister von Schmettau starb zwei Jahre nach Anfang des Projekts. Gleichzeitig führten die schwere körperliche Arbeit sowie Fieber unter den Arbeitern zu erheblichen Ausfällen und Verzögerungen. Der langsame Fortschritt des Projekts sowie Versuche einzelner Ortschaften, sich ihre Kooperation vergüten zu lassen, veranlassten Friedrich II. dazu, die Kanalarbeiten im Jahr 1751 unter militärische Leitung zu stellen. Mit der Ankunft preußischer Truppen, die örtlichen Widerstand brachen, Arbeiter und Material requirierten und selber arbeiteten, konnte das Kanalprojekt am 01. Juli 1752 abgeschlossen werden.

5. Die Peuplierung des Oderbruchs

Die zahlreichen Landgewinnungsprojekte Friedrichs II. gingen einher mit einer systematischen Besiedlungs- oder Peuplierungspolitik. Zwischen 1740 und 1786 wurden in ganz Preußen ca. 12.000 neue Plandörfer besiedelt. Etwa 300.000 Einwanderer kamen so ins Land. Friedrich II. profitierte bei seinen Anwerbekampagnen von den großen politischen und demographischen Umwälzungen im Europa des 18. Jahrhunderts – mit seinen großzügigen Landversprechungen konnte er so viele Siedler aus unruhigen oder überbevölkerten Nachbarstaaten gewinnen. Von den zuwandernden Siedlern wurde gemäß der vorherrschenden Lehre des Kameralismus erwartet, dass sie das neu gewonnene Land urbar machten und so die Macht und den Reichtum Preußens steigerten. Im Oderbruch erwiesen sich die Anstrengungen zur Landgewinnung und Peuplierung als besonders erfolgreich. So wurde mit zunehmender Entwässerung des Bodens neben Vieh- und Milchwirtschaft auch der Anbau von Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Klee, Raps und Kümmel betrieben. Gleichzeitig erwiesen sich die Neuankömmlinge als experimentierfreudig und versuchten neben Weinstöcken auch türkische Ziegen und Büffel einzuführen. Auch nach dem Tode Friedrichs II. im Jahr 1786 hielt die Bewegung zur Melioration der Landwirtschaft im Oderbruch an: Albrecht Daniel Thaer, der Begründer der modernen Landwirtschafts- und Grünlandlehre in Deutschland, zog 1804 auf sein landwirtschaftliches Versuchsgut nach Möglin im Oderbruch und propagierte dort die Fruchtwechselwirtschaft nach englischem Vorbild.

6. Die Kosten der Eindeichung

Wie bei allen ähnlich gearteten Eingriffen veränderten die Eindämmung und Umleitung der Oder sowie die Trockenlegung der Sümpfe das lokale Ökosystem und die Hydrologie des Oderbruchs erheblich. So wurde durch die Melioration des Oderbruchs dessen Artenvielfalt dramatisch reduziert und das traditionell dominante Fischereigewerbe in Bedrängnis gebracht. Ein wiederkehrendes Problem blieben die Überschwemmungen und Hochwasser im Oderbruch: Die Schneeschmelze des Riesengebirges im Frühjahr und schwere Regenfälle im Juni lassen die Oder zweimal im Jahr schnell anschwellen und gelegentlich über die Ufer treten. Die durch Eindeichungen und Trockenlegungen erhöhte Fließgeschwindigkeit und Wassermenge der Oder lösten im Falle von Deichbrüchen verheerende Schäden in den tiefer liegenden gewonnenen Flächen aus. Außerdem kämpften preußische und deutsche Beamte wiederholt gegen die Versandung des neuen Oderbettes. Technische Lösungen wie die Verbesserung und Erhöhung der Deiche sowie die Vertiefung des Flussbetts minderten zwar die Zahl der Überflutungen, konnten diese aber ebenfalls nicht bannen. Das letzte große Oderhochwasser ereignete sich im Jahr 1997 und überflutete große Teile des Oderbruchs.

7. Die Renaturierung des Oderbruchs

Wurde die Urbarmachung des Oderbruchs bis ins späte 20. Jahrhundert noch als große technische Erfolgsgeschichte und Eroberung der Natur gedeutet, setzte vor allem seit der verheerenden Oderflut von 1997 ein Umdenken ein: So werden im Bereich des Bruchs derzeit Renaturierungsmaßnahmen zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten mit EU-Hilfe umgesetzt und neben der erneuten Erhöhung der Deiche werden Polder zur Flutbekämpfung ausgewiesen. Allerdings sind diese Renaturierungsmaßnahmen nicht unumstritten: So fürchten Anwohner eine Kompromittierung des Hochwasserschutzes durch die Renaturierungsmaßnahmen und vor allem Landwirte wehren sich gegen die Aufgabe von Ackerland."(1)
(1)Autor: Claas Kirchhelle

 

 

 

Artikel zu den Oderhochwassern

    Bericht des Wasser- und Schifffahrtamtes zuden Hochwassern 1947- 1997

    Hochwasser 1997

    Hochwasser 2010
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    Chronik von Neulewin Teil 1

    Chronik von Neulewin Teil 2

    Chronik von Neulewin Teil 3

    Chronik von Neulewin Teil 4

    Chronik von Neulewin Teil 5

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